Zwischen Himmel und Hölle

11 Jan 2016 / By  / IN Orte / gallery

Wochenende. Der Plan war: Freitag nur halbtags in der Klinik zu fotografieren und dann mal eine Tagestour durch Nairobi zu machen. Doch bevor ich die Klinik bis Montag verlasse, wollte ich noch ein paar Aufnahmen vom Krankenhaus machen. Die dafür notwendige Erlaubnis hatte ich ja bereits. Das gute in Kenia ist, dass man einfach nichts weiter planen muss um hier mitten drin zu sein. Es passiert dir gefühlt an jeder Ecke wieder etwas Verrücktes, Erstaunliches und leider in den letzten Tagen immer mehr Trauriges. Wir drehen also eine relativ große Runde durch das Krankenhaus. Als Erstes kommt uns gleich ein Sarg aus Alu entgegen gerollt. Mitten durch den Haupteingangsbereich. Wir schauen uns kurz an. Meine Idee ist es auf das Dach zu kommen. Da ich ja die Sicherheitschefs kenne, sollte das kein Problem sein. Ist am Ende sogar noch einfacher als gedacht. Wir fragen einfach eine Sicherheitsbeamtin. Felisuta. Scheinbar ist ihr Posten gerade sicher genug und Sie entscheidet sich uns zu begleiten. Wir gehen erst in die 10te Etage. Privatpatientenbereich. Leider haben Sie keine Türen als Zugänge für die Balkons. Aber angeblich können wir in der 9ten Etage mal Nachfragen. Feli geht also mit uns runter und wir fragen in der Privatpatientenstation für Kinder. „Kein Problem. Geht einfach in das Patientenzimmer!“ Das Zimmer reicht in Deutschland für 4 Menschen. Hier für 12. Ich klettere durch das Fenster auf den Balkon und hab eine Sicht auf das Krankenhaus. Ich sehe den Vorplatz. Manchmal kommt es vor, dass die Menschen auf dem Platz sterben. Während ihrer Wartezeit. Manchmal bis zu einer Woche. Uns wurde auch erzählt, dass im letzten Jahr eine Frau mit einem Auto zur Klinik gebracht wurde. Nachdem ein Sicherheitsmann Sie für tot erklärt hat, wurde Sie wieder in das Auto gesetzt und die Leute sind losgefahren. Für uns sind solche Geschichten eigentlich völlig absurd und undenkbar. Je länger man aber hier ist, desto bewusster wird einem diese bittere Realität. Nach 2 Minuten klettere ich zurück in das Zimmer. Wir verteilen noch Süßigkeiten und Luftballons und machen uns auf den Weg in das Stadtzentrum. Eigentlich würden hier zwei drei Zeilen reichen. Nairobi ist ein Loch. So hart das klingt. Hier fällt die ganze Hoffnung in ein großes Fass und Alle versuchen an den Seiten hinauf zu klettern. Leider habe ich gestern hier den traurigsten Tag meines Aufenthalts erlebt. Deswegen bekommt die Stadt einen separaten Beitrag.

Dennoch will ich kurz vom Wochenende erzählen. Samstag hatten alle verdientermaßen frei. Donnerstag 7 und Freitag 8 Schrittmacher haben Kraft gekostet. Wir machen also eine ganz kleine Stadtrunde und fahren mit den Matatus und Partybussen auf das Land. Einer unserer Ärzte hat hier Familie. Die Fahrt führt uns an großen Slums, Nationalparks, kleinen Dörfern, Abriss und Müll, tollen Landschaften vorbei. Nach einem kleinen Marsch durch die Gegend um Kikuyu haben wir einen sehr langen Nachmittag auf dem Grundstück der Familie zugebracht. Essen. Mit den Kindern spielen. Ausruhen. Nachdenken und Ideen für das Projekt ausgetauscht. Das Abschalten hat gut getan. Am nächsten Morgen stand eine Safari an. Aber wie das eben hier nun mal so ist: Du kannst etwas planen und Kenia macht den Rest.

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