Zwei Welten

07 Jan 2016 / By  / IN Orte / gallery

Tag 3. Ok ich gebe es zu, die Taschenstory ist erstmal nicht zu toppen. Dennoch ist irgendwie jeder Tag hier komplett anders. Der „Alltag“ ist hier eine kleine Wundertüte. Irgendwie entspricht es meinem Spruch von 2015: „Es kann Alles passieren. Oder Nichts!“ Wobei ich hier eher dazu tendiere, dass hier täglich Alles passiert.

Der Tag fängt mit dem üblen Geruch aus dem Bad an. Das riecht so, wie die Turnhallen in der Grundschule früher. Da es eine Frühschicht und eine sogenannte Spätschicht gibt, kann ich mich frei zwischen den Teams bewegen. Da verpasse ich in der Regel nichts. Also entscheide ich mich immer eher Richtung Spätschicht um noch ein paar Minuten unterm Moskitonetz zu liegen. Der Fußmarsch zur Klinik ist auch ein kleines Highlight. 20 Minuten Nairobi Street. Volle Straßen. Müll. Abgase. Unglaublich viele Fußgänger. Bunt und laut. Dann wieder ruhig. Massai, die Zeugs verkaufen. Nach einer überfüllten und unübersichtlichen Kreuzung geht es dann zur Klinik. Bevor wir durch das Eingangstor gehen, grüße ich natürlich noch meine befreundeten Motorradfahrer. Die Helden. Vor der Klinik tummeln sich sehr viele Menschen. Manche warten seit Tagen darauf behandelt zu werden. Einige schlafen sogar vor der Klinik. Mit Kind und Kegel. Alle Blicke richten sich immer sofort auf uns. Da nützt auch viel Lächeln, Zwinkern und Zunicken nicht viel. Die wollen rein und wir laufen ohne abzustoppen an der Security vorbei. Im Gebäude ist es dafür erstaunlich ruhig und entspannt. In unserer kleinen Kardiologie ist dagegen immer reges Treiben. Die Kenianer teilen sich einen sehr kleinen Bereich mit uns. Schnell umziehen und schauen, wo man sich sinnvoll integrieren kann. Manchmal macht am Besten einfach den „Afrikanischen“! Irgendwo hinsetzen und in aller Ruhe warten. Generell haben Sie die Ruhe weg. Da kann man schonmal 10 Minuten auf das Wechselgeld an der Hotelbar warten. Und das obwohl ihre Kasse zwei Meter von mir weg ist. Egal. Hab mich schon daran gewöhnt. Sitzen. Reden. Dann mal wieder ein bisschen arbeiten. Das ist von der Sache ganz nett. Am zweiten Tag mussten wir aber mal auf das Gaspedal drücken und den Hausherren etwas Druck machen. Die Ärzte aus unserem Team haben mir gesagt, dass Sie in ihren Kliniken für eine Einkammerimplantation ca. 35 min brauchen. Hier im Kenyatta brauch das einheimische Team ca. 2 –  3h. Um aber das Patientenpensum zu schaffen, muss ein Mittelweg gefunden werden. Für mich als Beobachter ist das sehr spannend zu beobachte. Der deutsche Arzt lässt sich von einem einheimischen Krankenpfleger bei der OP unterstützen. Zwei Welten. Die aber zusammengeführt werden müssen. John aus Nairobi ist so sehr wissbegierig, dass er in 3 Tagen zwei Nachtschichten, eine Tagesschicht dazwischen und seinen freien Tag opfert um zu lernen. Respekt. Gut ist er auch noch. Selbst wenn der deutsche Routinier nicht gleich ganz zufrieden ist. Zwischendurch fehlen ein paar OP-Sets. Wahrscheinlich geklaut. Keiner war es. Schrittmacherabfragen im Gang. Ich habe unwissend Patientenschuhe an. Ballons verteilen im überfüllten Wartebereich. Umarmungen und Dankbarkeit von den Patienten, die wieder gekommen sind. Feierabend nach einem 12h Tag. Wir gönnen uns noch ein Bierchen im Hotel und genießen wir kurz den Internetempfang. Eh es dann schnell ziemlich ruhig um die Gruppe wird. Wir freuen uns auf morgen. Frei nach dem Motto: „Alles oder Nichts!“ Wahrscheinlich wieder Alles.

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