Welcome to Croatia

22 Aug 2016 / By  / IN Orte, Schwarz und Weiß / gallery

Ljubljana. Los geht es früh um 7 Uhr. Wir werden durch Heckenverschnitt, Rasenkantentrimmen und Grünzeugsauger geweckt. Schön verteilt auf 2,5h. Direkt. Also wirklich direkt an unserem kleinen Zimmerfenster. Aber ich habe Verständnis, dass eine Hecke, so groß wie ein Eishockeytor, soviel Zeit benötigt. Muss ja ordentlich aussehen. Egal. Wir steigen Nachmittag in den Zug Richtung Kroatien. Ich mag ja Zugfahren. Aber hier ist das noch gute alte Schule. Die Waggons haben noch Abteile und man kann überall aus dem Fenster schauen. Rauchen ist auch nicht so schlimm. Die Strecke führt durch tolle slowenisch-kroatische Grenzlandschaften. Die Bahnhöfe tauchen nach langer Fahrt wie aus dem nichts mitten in der hügeligen Gegend auf. Oft sind sie menschenleer und wirken so, als ob sie vor 20 Jahren das letzte Mal betreten wurden. Schön sieht es trotzdem aus. Und wenn sich dann mal ein Mensch an den Bahnsteig verirrt hat, muss er über die Gleise laufen, um den einzigen einfahrenden Zug zu erreichen. Abfahrtszeiten sind auch eher zur Orientierung gedacht. Eigentlich aber auch egal.
Wie ich so aus dem Fenster schaue und mit der Ricoh ein paar Schnappschüsse aus dem fahrenden Zug mache, merke ich wie sehr ich mich auf das Reisen gefreut habe. Bis jetzt hat auch alles unkompliziert funktioniert. Immer mal kommt die Frage in mir auf, ob die alten Räder, insbesondere meins, das Ding hier durchstehen. Aber Zweifel habe ich so gut wie nie beim Reisen und Optimist muss man eh sein, wenn man mit einem Oldtimer Istrien umrunden will. Nach 2 Passkontrollen im Zug landen wir in Rijeka. Das eher mäßige Backpacker-Unterkunfts-Angebot hat uns 20km in die Kvarner Bucht reingedrückt. Eigentlich wollten wir in Opatija starten aber sei es drum. Wir werden von einem 2,15m Mann begrüßt. Emil. „Welcome to Croatia!“ sagt er und verweist uns auf die kleine Einfahrt. Hinter uns sitzen 10 Kroaten vor einer Kneipe und beobachten leicht skeptisch die Neuankömmlinge mit den Retrorädern. Das sollte nicht das letzte Mal sein.

„I can take you to Pula. Or maybe to Sisan! Whatever you want“, sagt Nenad in feinstem Englisch mit diesem süd-ost-europäischen Dialekt. Durch eine Straßensperre wird uns die Entscheidung abgenommen. „Accident!“, meint unser netter Fahrer. Er ist Monteur für Aluminium-Rahmen und so ein Zeugs und schaut immer in den Rückspiegel um die Standfestigkeit unserer Fahrräder zu kontrollieren. „Nice bikes. But old“, lacht er. Er erklärt uns, dass wir direkt am offenen Strafvollzug den Daumen rausgehalten haben. Auf dem Weg nach Sisan reden wir ein bisschen den üblichen Smalltalk. In dem Auto sind ungefähr tausend Grad und es riecht nach frisch gerauchter Zigarette. Nenad staunt über unsere Fahrleistung und ich erkläre ihm, dass es mit den gebrochenen Speichen wirklich nicht weitergeht. Woher haben wir eigentlich diese Adresse von der Werkstatt? Nun ja, da es schon die dritte Speiche innerhalb von 3 Tagen ist, hat uns 60 km nördlich von hier ein anderer Fahrradmann den Tipp gegeben, die Werkstatt in dem kleinen Dorf Sisan aufzusuchen. Dort gibt es das benötigte Werkzeug für mein altes Bianchi. Als ich ihm das erzähle, schmunzelt Nenad lässig und murmelt ein „I know it!“ in die warme Autoluft rein. Nach rund 10 Minuten sind wir vom Speichenbruchort, der offene Vollzug von Pula, an der Fahrradwerkstatt angekommen. Natürlich will unser Fahrer kein Geld dafür. Wir bekommen seine Visitenkarte und sollen anrufen, wenn wir etwas zum Schlafen brauchen. Diese leicht distanzierte aber sehr freundliche Art ist irgendwie sehr angenehm. Im Prinzip geht es in der Werkstatt genauso weiter. Skepsis, leichte Distanz und mit einem Lächeln läuft die Sache trotzdem. Ich bekomme drei neue Speichen und bin 7€ (mit Trinkgeld) losgeworden. 2 Stunden später und mit etwas Weißwein geht es nun weiter nach Pula. Die Hauptstadt Istriens. Wir peilen das Last-Minute-Hostel an. Das hatten wir schon gebucht bevor wir Nenad trafen. Das Rad hat gehalten. Bis hierhin haben wir bereits rund 180 km zurück gelegt. Bis hierher haben wir, bis auf eine Ausnahme, herrliche Landschaften, wilde und ruhige Straßen, kleine Dörfer, ruhige Strände und angenehmes Radfahrwetter gehabt. Wir sind die Kvarner Bucht von Rijeka bis Pula gefahren. 3 Speichenbrüche und das Tretlager klappert ein bisschen. Halbzeit. 2 Nächte Pula standen an. Das Hostel befindet sich über dem Beer Club Pula. Eine Bar. 80 Biersorten aus 20 Ländern. Hach, es kann einem aber auch schlecht gehen.

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