Siku ya muisho

11 Jan 2019 / By  / IN Menschen / gallery

Nachdem ich nun gestern mein neues Eheleben abwenden konnte und wir heute den letzten Tag in der Klinik haben, widme ich mich mal ganz der Klinik. Wir haben wieder knapp 20 Operationen durchgeführt und ca. 30 Schrittmacherabfragen gemacht. Ohne zu weit auszuholen aber Kenya ist eben Kenya und an manchen Stellen nicht wirklich ein guter Sparringspartner. Aber sei es drum. Jeder einzelne Mensch zählt. Die Wichtung dieser zählweise überlasse ich mal den Leuten, denen ökonomische Dinge wichtiger sind. Ich versuche das mal mit einem Beispiel. Nehmen wir unser Hotel. Typisch kenianischer Bau. Unaufgeregt. In schlechtem Zustand aber mit Pool, Pförtner, Bar mit Billardtisch und eigener Küche. 70 Dollar das Doppelzimmer. Ich sage mal so: Für die Lage okay. Und es gibt ein neues Management. Alles besser und schöner. In Wahrheit sieht das aber anders aus. Moses verdient immernoch 100 Dollar im Monat. Macht dafür jetzt aber nur noch Nachtschichten. Das ganze Jahr. 12 Stunden die Schicht. Das Zimmer 204 sieht exakt genauso aus, wie vor 2 Jahren. Da ist beim Duschen der Vorhang aus der porösen Verankerung gefallen. So wie wir ihn hingelegt haben, liegt er heute noch da. Kabel und Steckdosen sind lose. Da könnte ich noch ein paar andere Sachen aufzählen. Wichtiger ist der weiße Weihnachtsmann als Fensterschmuck und dass die Manager abgesteckte Parkplätze im Hof haben. Dann fahren sie abends fröhlich (3 Mann – 3 Autos) an Moses vorbei und winken höflich. Das zieht sich hier leider durch ganz viele Bereiche. Intransparenz und das Bevorzugen der ohnehin schon Privilegierten. Die Kleinen bleiben klein und hustlen für ihre Existenz! Keine Chance für den kleinen „Mann“. Das ist sehr schade.

Wir haben die letzten Tage viel diskutiert. Über das Projekt und unser Ziel. Wenn man das Ganze zusammenfasst sind solche Einsätze, gleich welcher Art, entscheidend dafür, dass unsere Welt eine menschliche bleibt. Ohne den Einsatz aller wäre so ein Projekt nicht möglich. Wer mich kennt, der weiß, dass ich da wirklich meinen Hut ziehe. Beziehen wir das alles also auf das MP Shah Hospital. Es ist das möglicherweise beste Krankenhaus in Kenya, vielleicht sogar in Ostafrika. Die Bedingungen sind sehr gut und die Leute hier sind fähig. Das ist ein echter Schatz. Privat geführt oder nicht. Aber es hat unglaubliches Potenzial, um Gutes zu bewirken oder zu ermöglichen. Wir werden daher gemeinsam mit dem Krankenhaus an dem Statement arbeiten, dass medizinische Versorgung nicht nur das Privileg von Menschen ist, die Geld haben. Denn, wenn in unserer Welt so eine Haltung einkehrt, dann können wir eh einpacken. Das will ja keiner. Manchmal kann es einfach auch darum gehen, jemandem zu helfen. Ohne Wertung. Ohne Bedingung. Wir leben schließlich nicht auf einer kleinen Insel und der Rest geht uns nichts an. Das Schöne daran ist: Menschlichkeit und Empathie zu zeigen, bedarf eigentlich nur einer Sache. Sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Das gelingt uns allen nicht immer aber daran kann man arbeiten.

Mein größter Respekt gilt den Menschen, die hier in dieser Woche abgeliefert haben. Fangen wir bei den beiden Pflegern und technischen Supportern an. Andreas „Kroke-the-gentle-giant“ hat mit seiner unnachahmlichen netten Art Herzen erobert. Wie passend. Alex „Mulder“ versorgt uns hier mit feinster Reggae-Musik und bringt eine schöne Leichtigkeit mit an den OP-Tisch. Er kitzelt auch mal den Patienten während der OP am Fuß. Was machstn da falsch? Unsere diesjährigen Ärzte: Sergio, der uns ständig beibringt, dass der Strohhalm im Mango Juice stehen muss und nebenbei ein absoluter Spitzenkardiologe ist. Michael, der hier sicherlich eine Menge aus seinem ersten Mal „Afrika“ mitnehmen wird. Das bei ihm zu beobachten war sehr spannend. Absolute Bereicherung für das Team. Carsten…ach Carsten. Ein Unikum durch und durch. Hoch angesehen und ohne ihn würde es das Projekt nicht geben. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

*die kenianischen Kollegen bekommen ihren eigenen Text

Diesen Spirit und den Tatendrang nehme ich mit. Das beeindruckt mich jedes Mal und ich bin froh, dass ich dabei sein kann. Einer muss ja ein bisschen für den Fame des Teams sorgen. Und der ist mehr als verdient.

Ein paar Tage Kenya stehen noch auf dem Programm und dann werde ich mal an ein Fazit setzen. Ich muss jetzt nämlich den Rechner zuklappen, denn es geht zum Dinner mit der gesamten Mannschaft. Darauf ein Tusker. Oder besser ein Tusker lite. Denn an der Bierqualität werden wir erstmal nichts ändern können. Zumindest nicht mit diesem Projekt.

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