She´s a Beast

13 Nov 2015 / By  / IN Allgemein, Orte, Schwarz und Weiß / gallery

Ein Ort, über den bereits alles gesagt wurde. Eine Stadt, über die scheinbar jeder Bescheid weiß. Die jeder zu kennen scheint. Es gibt auch einige, die (zurecht) behaupten, dass New York City fertig abfotografiert ist. Alles wurde gefühlt schon unendlich oft abgebildet. Man muss eigentlich nicht hier her. Einfach einen Film anschauen, der New York als Kulisse darstellt, dann kennt man sich ja aus. Reizt dann nicht mehr. Jede Geschichte wurde schon erzählt.

Wir stehen im Brooklyn Heights Park. Direkt unter der Brooklyn Bridge. Im Sekundentakt fühle ich mich genötigt, die Kamera rauszuholen. Ich muss ein Foto machen. Ich muss das festhalten. Aber stets cool bleiben. Jeder versucht sich seine Begeisterung nicht gleich anmerken zu lassen. Dabei spürt man, wie die Energie ansteckt und man süchtig wird. Aber sich hier in Zurückhaltung üben?

Kann ich nicht. Nicht hier. Ich besitze scheinbar die Fähigkeit mich in eine Stadt zu verlieben. Vor zwei Jahren war es bereits um mich geschehen. Damals habe ich diesen New York-Drive entwickelt. Habe mich antreiben lassen von der unglaublichen Energie dieser Stadt. Diese Anziehung lässt mich seitdem nicht mehr los. Es kann alles passieren oder nichts.

Der Taxifahrer bringt uns vom Flughafen Richtung Brooklyn. Wir quatschen ein bisschen. Fußball und Musik. Die für mich besten Smalltalkgespräche weltweit. Es ist schon dunkel und ich spüre, wie dieses Kribbeln in mir aufsteigt. Scheiße nochmal, ich bin endlich wieder hier. Ich suche Punkte, an die ich mich vielleicht erinnern kann. Ah, stimmt! Auf der linken Seite, Coney Island. Welche Brücke ist das gleich nochmal? Dann stehe ich auf der Dachterrasse. Mit spitzen, schlanken Gipfeln ragt Manhattan in den Nachthimmel. Wie ein Gebirge! Davor liegt Brooklyn. Dazwischen eine Zubringerstraße. Sechsspurig. Gnadenlos überfüllt. Es ist wohl Rushour. Es ist Mitternacht. Mein Grinsen geht in ein Strahlen über. Ich stehe so sehr auf dich. Eine Woche gehöre ich wieder dir. Mach mit mir was du willst. Das muss ich dir nicht sagen, denn das machst du eh.

In meinem Kopf gehe ich gleichzeitig die Spots durch, die auf meiner Agenda stehen. Und dann stell ich mir die quälendste aller Fragen (für einen Fotografen): Was mache ich hier für Fotos? In London hatte ich ein bestimmtes Thema. Aber hier? Was um alles in der Welt soll ich fotografieren, damit es mich nicht langweilt, weil ich selbst auch schon Millionen von New York-Fotos gesehen habe. Irgendwie liegt es am Ende auf der Hand. Wenn ich denn schon so verliebt in die Stadt bin, dann fotografiere ich so, wie ich am liebsten fotografiere. Schwarzweiß (nicht ganz konsequent durchgezogen) und nur für mich.

Ich glaube, dass kriege ich hin.

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