Schwere

19 Sep 2017 / By  / IN Orte, Über mich / gallery

14 Tage. Knapp 7000km. Paris. San Sebastian. Madrid. Beziers. Bodensee. Leipzig. Brüssel. Ich erinnere mich die Tage oft daran, wie ich angefangen habe, diesen Blog zu schreiben. Kurze Sätze, nein nicht mal Sätze. Es waren aneinander gereihte Worte. Fetzen. Bruchstücke. Jetzt nach ein paar Jahren, Texten und etlichen Bildern später, sitze ich in Brüssel in einem Airbnb. Es ist schön. Sehr hohe Decken. Schlicht und spartanisch eingerichtet. Gut, die Betten sind etwas durchgelegen und das Zumachen der Küchenschränke klingt wie ein Kanonenschlag. Egal. Draußen regnet es und ich habe schon Feierabend für heute. Brüssel scheint eine tolle Stadt zu sein. Aber so richtig Lust habe ich nicht rauszugehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich gerade meine Hand versorgen musste. Sinnvollerweise habe ich mir vor ein paar Tagen ziemlich übel die Hand verletzt. Mit 7 Stichen habe ich mir das Ding nähen lassen. Wahnsinn. Und dann dieses Frustwetter. Kann ich aber nicht ändern. 2017 wird eine Narbe bekommen. Selbst verursacht. Aber so ist das manchmal. Ok, kehren wir zurück in die Küche des Apartments. Mir kommt so der Gedanke, welche Orte ich in kürzester Zeit gesehen habe und, was mir davon im Gedächtnis geblieben ist. Kurz gesagt, so gut wie nichts. In San Sebastian wollte ich mal in den Atlantik hüpfen. 15 Grad. Regen. In Madrid habe ich kaum das Tageslicht gesehen. So schnell wie ich dann am Bodensee war, war ich auch schon wieder weg. Zwei Nächte Leipzig. Ein Festival in Berlin und ab ging es wieder.

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DSCF8398  DSCF8415Ich höre immer: „Cool, du bist so viel unterwegs! Kommst viel rum. Jetset-Leben.“ Hmm. Was bedeutet das eigentlich? Reisen. Welche Erwartungen habe ich daran? Du hast eine Idee. Eine Vision und manchmal sind es auch Wünsche, die einen antreiben. Man will tolle Landschaften sehen. Ja, am besten spektakulär. Fusion-Essen. 100 Sprachen kennenlernen und in die Kultur der Länder eintauchen. Leute treffen. Locals. Was auch immer. Nur kann es manchmal passieren, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden können. Scheißwetter. Du findest kein Quartier. Zu wenig informiert. Irgendwas kommt weg oder geht kaputt. Was passiert, wenn aus Vision Disillusion wird? Es kann sein, dass man dann in einer kargen Küche sitzt. Die spärlich ausgestattet ist. Anfänglich schick aber nüchtern betrachtet, fehlt es an so ziemlich fast allem, was man sonst hat. Das klingt irgendwie sehr negativ und zieht einen ganz schön runter. Was nicht bedeuten soll, dass ich jetzt nicht mehr reisen werde. Im Gegenteil. Ich liebe es und bin süchtig danach. Es ist aber so mit vielen Dingen, die man inflationär betreibt. Der Fokus rückt ein bisschen aus dem Sichtfeld. Was macht man da? Ich glaube, es ist einfach. Akzeptieren, dass man manchmal auch einfach Heimweh hat. Wenn man es mal ausspricht, tut es nicht mehr so weh und man kann sich wieder auf den Moment konzentrieren. 

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