Salzige Luft

04 Nov 2016 / By  / IN Menschen, Orte, Schwarz und Weiß / gallery

Nizza. Ich habe mir im Wetterbericht angesehen, wann die Sonne morgen früh aufgeht. 8.03 Uhr steht auf dem Display. Am nächsten Morgen stehe ich gegen 7.45 Uhr am Strand von Nizza. Besser gesagt auf dem Boulevard an der Côte d´Azur. Ich schaue aufs Wasser. Links geht die Sonne langsam hinter der Hafenzufahrt auf. Rechts liegt der Flughafen noch so ein bisschen im Frühnebel. Hinter mir ein paar Jogger. Man hört die Laufschuhe auf dem Betonweg. Einer hat die Musik ziemlich laut. Ich kann leider nicht erkennen, was. Eine Frau mit Hund. Einige Obdachlose machen es sich auf den Sitzen gemütlich und quatschen ein bisschen. Jemand badet. Eine Straße weiter sind die Vorbereitungen für den Blumenmarkt in vollem Gange. Davon bekommen die 10 Hanseln hier auf dem Boulevard nichts mit. Es ist noch ein bisschen kühl. Vielleicht sieben oder acht Grad. Die Sonne kriecht jetzt immer schneller hinter der Wolke vor. Und wärmt langsam den Strand. Die Frau aus dem Wasser trocknet sich ab und setzt sich auf die Steine. Irgendwie ist diese Ruhe sehr schön. Ich mache ein paar Fotos und genieße die Einsamkeit hier. Es ist Ende Oktober und heute werden ca. 25 Grad in der Sonne erwartet. Die ist jetzt übrigens aufgegangen und ich mache mich auf den Rückweg zum Frühstück.

Ich war noch nie so richtig in dieser Gegend. Lange Spaziergänge durch Nizzas Altstadt. Gute Restaurants. In der Sonne am Strand auf die Promenade schauen und für schlappe 8,50 € ein Bier genießen. Was solls, ist ja die Côte d´Azur. Wir klettern auf den kleinen Berg, auf denen die Franzosen ein bisschen Yoga und solchen Spaß machen. Laufen auf der anderen Seite runter Richtung Hafen. Pause machen. Bierchen trinken und gut Essen. Wir leihen uns Räder aus und fahren mit den Dingern durch die Stadt. Immer von Station zu Station. Immer wieder düsen die Flieger über die Bucht Richtung Flughafen. Nizza ist unglaublich lebendig. Roller fahren durch die Altstadtgassen. Das Treiben auf dem Markt. Überall kleine Cafés und gute Restaurants. Beim Verdauungsspaziergang stellen wir fest, wie kompakt und fußläufig die Stadt ist. Gefällt mir. Wir laufen nochmal Richtung Strand. Beobachten die Angler. Ein paar Skater machen noch ihren Kram. Am Wasser sitzen ein paar Gruppen mit jungen Leuten. Wein und ein paar Zigaretten. Eine Gruppe hört Musik. Ein Pärchen genießt die Zweisamkeit. Wir watscheln gemütlich die Strandpromenade ab. In Richtung Flughafen sieht man auf der rechten das berühmte Negresco Hotel. Bisschen angestaubt aber es reicht wohl für leicht geliftete Ladys mit Schoßhündchen. Am Ende des Abends sitzen wir auf unserem Balkon. Direkt in der Altstadt. Der Weinhändler unten an der Ecke hat uns mit Rotwein versorgt. Leute beobachten und über mediterrane Lebensweisen philosophieren. Emsig und fleißig. Aber auch mit Pausen. Nizza vereint wirklich viele tolle Facetten des Lebens. Das scheint wohl das Wetter mit denen hier zu machen. Eine leichte Brise, die durch das blaue Meer salzig schmeckt. Die Sonne, die von links nach rechts, jeden Tag, Nizza wärmt und beleuchtet. Das leichte Leben. Das schöne Leben. Ich mag das.

14. Juli 2016. 22.45 Uhr. Vor 1,5 Stunden ist die Sonne hier untergegangen. Es sind ca. 30.000 Menschen auf der Promenade des Anglais. Sie feiern den französischen Nationalfeiertag. Es ist laut. Man hört vermutlich keine Laufschuhe. Dann fährt er 2,5 km durch die Menschenmenge. Tötet 86 Menschen und verletzt mehr als 300.

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