Peter´s Stadt

05 Okt 2016 / By  / IN Allgemein, Orte, Schwarz und Weiß / gallery

Liebe Grüße aus der Heimat.“ Die Antwort: „Ich komme gerade aus Berlin. Ich habe mit dem Herrn Bundespräsidenten zu Abend gegessen!“ Ich lass mir mein Buch signieren. Klopfe auf den Tisch und wünsche noch einen schönen Tag. „Mach´s gut Robert!“ Ich nicke und werde nett von der Security weggebeten. Hmm. Das war meine Begegnung mit Peter Lindbergh. Mitten in Paris. Da geht man schon etwas nachdenklich seiner Wege. Dieser Weltstar des Fotografierens. Der mit Schlappcappi, schwarzem Shirt und über seine Brille nach oben schauend da sitzt und einfach ein netter Kerl ist. Er macht Witze. Auf Englisch und Französisch. Schaut immer mal in die Runde und in die wartende Schlange. Er sagt zum Pressefotografen, ob er alles im Kasten habe. Der Junge hat Stress. Schwitzt und ballert ein Blitzlichtgewitter los. Wahrscheinlich ist der Druck heute ein gutes Bild zu machen besonders hoch. Ich gehe mal davon aus, dass es Herrn Lindbergh nicht weiter interessiert. Ich bleibe noch ein bisschen stehen und beobachte das Geschehen. Vorn sitzt der Großmeister. 71 Jahre alt. Er versprüht eine unglaubliche Aura. Irgendwas zwischen Weltmann und Visionär und dem netten Onkel von nebenan, der immer die Hauswoche für alle im Haus übernimmt, weil keiner Zeit hat. Ich stell mir vor, wie dieser Typ vor der nackten Naomi Campbell steht und sie so herrlich zum Lachen bringt, dass man alle Geschichten über sie sofort vergessen mag. Was haben wir noch? Hinter ihm steht sein eigener Pressefotomann. Der wirkt schon wesentlich entspannter. Beim Blick aufs Display sehe ich, dass er das Peter-Lindbergh-Schwarz-Weiß seiner Nikon übergezogen hat. In einer anderen Ecke stehen entweder Leute vom Taschen-Verlag oder sein Management. 10 Securitys. Zwei Damen vom FNAC-Kaufhaus. Spätestens jetzt sollte man gecheckt haben, dass dieser Mann nicht ganz unwichtig in der Fotografie ist. Dann schwenke ich mal Richtung Publikum. Selfies mit Selfiesticks. Postings. Einige blättern das Buch durch wie eine Sonntagswerbung, um dann hinterher zu sagen: „Nüscht dabei!“ Da stecken 45 Jahre Fotografie drin. Verdammt, reißt euch mal zusammen. Denen würde ich gern das Buch auf den Kopf donnern. Aber es ist so schwer, da würde ich fiesen Ärger bekommen. Scheinbar haben es einige noch nicht ganz geblickt. Ist aber mir eigentlich auch egal. Peter Lindbergh wahrscheinlich auch. Ich werde mir ein bisschen mehr Zeit nehmen. Wird Peter auch egal sein, aber ich fühle mich besser.

Beim Durchblättern seines Buches „Another Vision of Modephotography“ merke ich, wie gewaltig sein Werk ist. Er hat sein Schaffen und Wirken in diesen unfassbaren Bildband gepackt. Er ist ein bisschen mein Rettungsanker. Jemand zu dem man Aufschauen kann. Er entschleunigt die Fotografie für mich. Die Zeitlosigkeit sticht mir jedesmal sofort ins Auge, wenn ich seine Bilder sehe. Dunkel. Ruhig. Schwarz und Weiß. Eben dieses Schwarz und Weiß prägt seinen geschaffenen Realismus in den Fotos und inspiriert wahrscheinlich eine ganze Generation an Fotografen. Es gab Menschen, die gesagt haben, dass nur Peter Lindbergh so ein Licht auf die Haut einer Frau zaubern kann. Es ist nur die Schönheit einer Frau, die er zeigen will. Er sagte einmal: „Die Mode, die getragen wird, ist völlig egal. Es kommt nur auf die Frau an. Alles in dem Bild dreht sich um die Schönheit der Frau!“ Er macht schon mal pro Shooting 10.000 Fotos. Sucht oft die Momente zwischen den posierten Bilder und schafft nicht-reproduzierbare Momente. Hmm. Interessant finde ich, dass er einen strikten Ansatz verfolgt und alles darum aufbaut. Er bleibt sich seiner Linie irgendwie immer treu. Hat immer dieselben Elemente in seinen Bildern und dennoch wiederholt sich nichts. Jede Inszenierung, jedes Spontanbild ist für mich einzigartig. Danach lässt es sich streben und es motiviert ungemein. Was irgendwie abstrus und fotoromantisch klingt, in einer Welt voller Selfies, Unmengen an Fotografen und der täglichen Bilderflut, ist in Wahrheit der große Unterschied zu uns allen. Das große Ganze. Die Faszination der Fotografie.  Danke, Peter. Diese Begegnung war zwar sehr kurz, hat mich aber zum Nachdenken und demütig sein angeregt.

Nebenbei habe ich in den letzten Tagen wieder ein bisschen mein Streetphotography-Thema verfolgt. Ich bin ein bisschen spazieren gegangen. Beim Sichten ist mir aufgefallen, dass ich mittlerweile ganz schön viele Straßenfotos in einigen Städten gemacht habe. Hier mal eine kleine Auswahl aus Paris. Aus Peters Stadt.

 

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