Overload

22 Dez 2017 / By  / IN Allgemein, Menschen, Orte / gallery

10.00 Uhr: Ich wache langsam auf. Das Fenster steht etwas offen. Das Licht draußen wirkt gedimmt. So ein bisschen erkenne ich wie die Sonne versucht durch den Dunst und die Häuserschluchten zu scheinen. Es riecht nach Klimaanlage und tief aus dem Innenhof dampfen die Fritösen in Richtung Himmel. Das Grundrauschen ist um diese Zeit schon auf einem sehr dynamischen Level. Ich schlängel mich aus den 3m² raus und werde mit einem überbreiten Grinsen der “Chefin” begrüßt. Sie ist so ein bisschen die gute Seele des Hostels und holt den Fahrstuhl. Es ist wie vor so einem Boxkampf. Kurz vor dem Kampf wird es ganz still. Man atmet tief durch. Hört und sieht nichts. Ist fokussiert. Naja gut, ein bisschen übertrieben aber im Fahrstuhl sieht und hört man tatsächlich nicht viel. Entweder ist er voll oder fährt jede Etage an. Meistens beides. Gibt 20 Etagen. Die Tür geht auf. Rechts stehen alle fein diszipliniert wartend am Fahrstuhl. Der Boxer merkt so langsam wie es lauter wird. Links und rechts immer mehr Leute. In dem Fall. Geschäfte mit dubiosen Gestalten, Handyverkäufer, Händler für wirklich jeden Scheiß und noch eine Menge anderer Typen, die einfach alles an den Mann bringen. Noch ungefähr 70 Schritte und dann kommt die Arena. Da sind dann die Massen, die einem zujubeln. Und los gehts. Drei Stufen noch. Die Arena ist in dem Fall die Straße. Die Straßen von Hong Kong. Niemand jubelt mir zu. Warum auch. Aber Alter, was geht denn hier? Laut. Lebendig. Busy. Die Adern der Stadt. Sie sind aber sowas von auf Hochtouren und mit Leben gefüllt, da bleibt dir erstmal die Spucke weg. Mal kurz stehen bleiben (Tipp: Nicht zu lang, sonst musst du gefälschte Uhren oder Sonstiges kaufen.) und sich umschauen. Das ist man erstmal schwer beeindruckt. Sonnenbrille auf und cool auf dem Fußweg stehen bleiben. Jetzt die ersten Runden gegen diesen übermächtigen Gegner. Kampfname Kowloon. Ok, lassen wir das mit dem Boxen. 12 Tage Hong Kong beginnen nun auf der Festlandseite von Hong Kong. Hier werden die kleinen Geschäfte gemacht. Märkte. Restaurants. Ramschläden. Malls. Zwischendurch mal ein kleiner Tempel. Ich erwische mich immer wieder, wie ich ungläubig in diese Wohn-Hochhaus-Landschaft aufblicke. Als ob jemand diese Stadt wie an kleinen Bindfäden nach oben gezogen hätte. Ich darf nur nicht so lang hoch schauen, sonst fährt mich hier einer über den Haufen.

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Der Zeit vergeht hier anders. Es gibt hier eine Ruhezeit von etwa vier Stunden. Da geht der Trubel auf vielleicht 60 Prozent zurück. Akkus aufladen. Dann fährt einer dieses Konstrukt hoch und diese Metropole beschleunigt auf Vollgas. Ich liebe es mich in so ein Treiben reinzuschmeißen. Es ist rammlig, riecht an jeder Ecke anders und du erlebst die skurrilsten Dinge. Sightseeing kannst du dir eigentlich klemmen, weil du in jedem Winkel hier andere verrückte Dinge entdeckst. Und da ist Hong Kong ja schon sehr von westlichen Einflüssen geprägt. Aber ich sage: Der Westen wird es nie schaffen, diese Mentalität zu verdrängen. Zum Glück. Dieses Wechselspiel aus allen Teilen und Einflüssen der Welt an genau diesem einem Ort, gepaart mit asiatischer Mentalität. Hach, komm schon Hong Kong, klettere ruhig weiter nach oben meiner Städte-Hitliste. Die ersten Kilometer haben mich jedenfalls schon süchtig werden lassen.

Ich liege jetzt wieder im Bett. Sämtliche Wahrnehmungsmechanismen sind im Abkühlmodus. Heiß gelaufen. Mein Kopf produziert unfassbar viele Bilder und die Einordnung fällt sehr schwer. Einfach zu viel. Ich überspiele einfach alles. Stell mich auf Null und fang morgen wieder von vorn an. Aufwachen und rein ins Getümmel. Die Erinnerungen kommen dann später.

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