MP Shah Hospital

09 Jan 2017 / By  / IN Allgemein, Orte / gallery

Ich habe beim letzten Mal viel über die Schattenseiten geschrieben und war zum Teil erstaunt wie die Lebensbedingungen hier sind. Ich hatte aber auch gesagt, dass Kenya eine Chance verdient hat und uns hier auch gern positiv überraschen kann. Und man mag es kaum glauben aber die Überraschung ist das Krankenhaus. Keine hochmoderne Privatklinik mit europäischem Standard. Muss ja auch nicht sein. Ein indisches Missionskrankenhaus. Der Stationsrundgang steht zwar noch aus, aber die Kardiologie ist sehr gut ausgestattet. Gut, im Kontrollraum tropft es etwas von der Decke, da schiebt man eben einfach die Rechner ein bisschen nach rechts. „Hier tropft es von der Decke!“ sage ich zu Ram, unser Ansprechpartner auf der Station. „Ah ok!“ er nickt. Gespräch zu Ende. Wir haben schon Anderes gesehen. Das deutsche Team funktioniert schon wieder wie ein Uhrwerk. Patient auf den Tisch. Schrittmacher rein. Naht zu.  Schrittmacherabfrage und fertig ist die Laube. Dauert, wenn Alles normal läuft, nicht länger als 90min. Naja davon abgesehen, dass man zum Teil keine Patienteninfos hat, schon ein Wahnsinn. Dann kommt aber das eigentlich Erstaunliche. Wenn die Familien dann zu ihren Müttern, Vätern, Brüdern und Schwestern kommen, dieses Strahlen in den Augen. Plötzlich kann sich die 96jähige wieder bewegen, war Sie doch vor kurzem noch schlapp und müde. Egal wer die grüne Kleidung trägt, jeder wird gleich gesegnet. Alle wollen Fotos mit uns. Professor war ich ganz kurz, weil die eigentlichen Ärzte schon wieder die nächste OP hatten. „Dont touch the Professor.“ hallt es durch den Vorraum. Alle lachen. Hält sich aber Niemand dran. Hände schütteln und in den Arm nehmen, gehört einfach dazu. Ich merke auch wie das deutsche Team es genießt, ein wenig mehr Zeit für die Patienten zu haben und abseits der alltäglichen Routine ein bisschen zu plaudern.

Zum Teil ist die Stimmung sehr entspannt und witzig. Man hat tatsächlich das Gefühl, dass wir wirklich sehr willkommen sind. Das fühlt sich gut an. Wir werden auch jeden Tag gebeten uns im Pausenraum zu stärken. Es gibt Reis. Es gibt hier immer Reis. Die Gespräche mit den Kenyanern sind sehr spannend. Fachgespräche. Werdegang. Vorgeschichte. Privater Background. Familie und natürlich Fußball. Nach 15 OP´s, die zum Teil sehr kompliziert waren, ist es Zeit auch mal ein bisschen außerhalb der Kardiologie zu Knipsen. Ich werde also mal ein bisschen durch das Krankenhaus wackeln um mir mal einen Eindruck zu verschaffen, wie es um den Rest des Hauses steht. Und nach nicht mal fünf Minuten, das alte Problem. „You need a permission to take photos!“ meint der parkplatzeinweisende Security Mann. Ich lache mich innerlich kaputt, ob der mir bevorstehenden Prozedur. Als Erstes gilt es die Hauptrezeption zu finden. Nach drei Anläufen sind wir angekommen. Sieht irgendwie merkwürdig aus. Mitten im Gang und eher wie eine kleine Haltebucht. Die eigentliche Rezeption wird gerade gebaut. Wir drehen uns um. Alles zugemauert. Schulter zucken. Wir müssen ganz nach oben. Zum CEO des Krankenhauses. Na ob das klappt. Eine Minute stehen wir direkt vorm Chef. Wir schütteln die Händen. Mach so viele Fotos wie du willst und wo du willst. Ich frage noch ob das jetzt offiziell an alle weitergeleitet wird? Nicken.

Ich mache draußen mein erstes Bild. „You need a perm..!“ ich unterbreche den Sicherheitsmann und sage, dass ich mit dem CEO gesprochen habe. Er glaubt mir natürlich nicht. Schickt einen weiteren Security Mann los, nämlich den, der den ganzen Tag einkommende KfZ-Kennzeichen notiert. Diese Info vom weißen Mann muss geprüft werden. Nach 10 Minuten kommt er zurück. Daumen hoch. Nicken. Ach ich liebe Afrika. Ich weiß nämlich genau, dass sich am nächsten Tag hier keiner dran erinnert. Oder eben Alle wissen das. Weiß man hier nie so genau. Das ist Afrika.

Für das Wochenende war geplant einer Taufe beizuwohnen. Matattu fahren. Vororte erkunden. Und vieles dem Zufall überlassen. Der ist hier eine echte Konstante. Wir hatten zwar dem Krankenhaus angeboten, das Wochenende durchzuarbeiten aber das wurde mit einem Lächeln abgelehnt. Wochenende in Kenya ist eben Wochenende. Immer mit der Ruhe. Zusätzlichen Stress zum eigentlichen kenianischem Gewühle will hier keiner. Schon garnicht von uns Musungos. Nehmen wir so hin. Hilfe ja. Aber keinen Arbeitsstress. Auch das ist Afrika.

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