Ein Schlusswort

13 Dez 2016 / By  / IN Allgemein, Menschen / gallery

Eigentlich schreibe ich ungern solche Sachen auf. Eigentlich bin ich zu sehr Optimist und immer positiv gestimmt. Ich sehe das Gute in den Menschen und in der Gesellschaft. Aber! Es gibt dieses Jahr ein großes ABER…Fragt man mich zu meiner Meinung rund um dieses Jahr würde ich meine Antwort so wählen:

Den Zustand unserer Gesellschaft und der Weltpolitik kann man sich ganz einfach anschauen:

Aleppo bei Google eingeben und sich Bilder anzeigen lassen.

Aus meiner Sicht möchte ich dieses Jahr daher mit diesem Text beenden. Nächstes Jahr fangen wir kalendarisch wieder bei Null an. Gleiche Chancen. Ich plädiere dafür, dass 2017 besser wird…

“Dieses Jahr 2016 hat mir irgendwie zugesetzt. Der Mensch hat sich in diesem Jahr gefühlt von seiner besonders schlechten Seite gezeigt. Wir gelten als die Spitze der Evolution und gleichzeitig auch die Spitze der Niedertracht. Wir unterjochen, wir zerstören, wir hassen, wir ignorieren, wir töten, wir verschmutzen, wir grenzen aus, wir zocken, wir stehlen, wir foltern und in den meisten Fällen lachen wir darüber. Jedes dieser Verbrechen kann man dieses Jahr mit einer Unmenge an perversen und unglaublichen Realbeispielen belegen. Am Verrücktesten hat es sich dieses Jahr in dem völlig absurden US-Wahlkampf wiedergespiegelt. Da wird mit Rassismus, Populismus, Sexismus, Drohungen, Einschüchterungen und jetzt am Ende sogar vielleicht noch mit Betrug gekämpft. Es wird irgendwie undemokratisch ein Mann gewählt, der all das verkörpert, was man eigentlich nicht mehr wollte. Jubelnd liegen sich rechte Kräfte überall auf der Welt in den Armen und freuen sich. Endlich wieder Nationalismus. Endlich wieder Rassismus. Endlich wieder Diktatoren, Despoten und Lügner. Weil es uns so schlecht geht, wählen wir das in Deutschland einfach auch. Wir fühlen uns unterwandert und zerfleischen uns von innen heraus. Anstatt mal die Augen auf zu machen und mit unseren Kompetenzen und Mitteln, den Menschen zu helfen, die direkt vor unseren Augen in unseren Badegewässern sterben. Nein, stattdessen jubeln wir Politikern zu, die per Gesetz diese Menschen sterben lassen. Sorry guys, but we have a Obergrenze. 80 Millionen Deutsche haben Angst vor euch. Einige wissen sogar, dass unsere Gesellschaft durch euch mit Krankheiten und Gewalt infiziert wird. Dreht bitte um. Oder ihr kommt einfach in drei Monaten nochmal. Da bauen wir eine große Mauer, um uns zu schützen und euer Boot zerschellt daran. Selbst Schuld. Problem gelöst. Hmm. Was machen wir als nächstes? Ach ja, den Planeten zerstören. Da sind wir ja schon ein bisschen weiter. Oh sorry. Laut neuem amerikanischen Präsidenten ist das alles Quatsch. Totaler Quatsch. In Marokko haben mehrere 1000 Menschen vereinbart, dass alle Staaten die Klimaerwärmung reduzieren wollen. Natürlich unverbindlich und jederzeit kündbar. Muss ja finanziert werden. Das bisschen Klima muss doch bezahlbar bleiben. Aber es gibt auch noch andere gute Leute. Schauen wir auf die Türkei. Da wird ab sofort gedroht Flüchtlinge auf Europa zu werfen… Wehe, ihr akzeptiert nicht unseren Versuch eine Diktatur aufzubauen. Dann hetz ich euch die Flüchtlinge auf den Hals. Pah. Nicht mit mir. Du hast was gegen meinen Schnurrbart gesagt? Ein Terrorist bist du und, weil du auch noch mit einer terroristischen Organisation zusammenarbeitest, stellen wir dich kalt. Was deine Mutter auch? Na dann sperren wir sie auch ein. Habt ihr aber Glück! Denn bald kann ich euch hängen lassen oder ihr flüchtet nach Europa. Auch nicht so geil. Aleppo zerstört? Ist auch ein Gerücht aus der Lügenpresse. So schlecht geht es denen doch gar nicht. Aber kommen wir mal zu den richtigen Problemen. Die bevorstehende Einführung der Sharia in Deutschland. Schlimm. Unsere Kinder müssen mit syrischen Kindern den Spielplatz teilen. Zum Kotzen. Was? Die Flüchtlinge wohnen jetzt in unserem schönen sächsischen Städtchen. Da werd ich glatt zum Nazi, wenn die in der herrlichen Bauruine am Stadtrand wohnen und dort rumhängen. Wir haben nämlich den Flüchtlingen etwas voraus! Wir haben viel mehr terroristische Verbrechen und Anschläge mit fremdenfeindlichen Motiven begannen als DIE. Nicht mit uns. Das nehmt ihr uns nicht weg.

Ich wage mal einen Ausblick. Es wird schlimmer. Und alle sagen: Komm schon Robert, es geht doch immer irgendwie weiter. Mach nicht so eine Schwarzmalerei hier. Genau das, kann ich langsam nicht mehr hören. Wir zerstören alles, was uns Menschen ausmacht und, wofür wir einzigartig sind. Wir zerstören es einfach und machen immer weiter. Wir akzeptieren es, dass unsere Gesellschaft immer mehr verkommt. Ein stinkender Säufer, der taumelnd durch die Straßen wankt und alles vollpisst. Er grölt und macht einfach weiter. Würde doch keiner auf die Idee kommen, ihn mal zu fragen, was der Mist soll.

Es wird hingenommen und am nächsten Tag drehen sich alle Rädchen immer weiter und weiter. Jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Das Fest der Liebe. Während wir konsumieren und nach Angeboten lächzen, gibt es Menschen auf dieser Welt, die zu Weihnachten nichts haben. Gar nichts. Wir wissen das. Und mit einem großen Knall geht es dann in das Jahr 2017. Es wird fein weitergemacht. Nichts wird sich ändern. Wir werden eine rechtsradikale Partei in unser Parlament wählen. Zweistellig. Wir lassen es zu, dass sich unsere dunkelste Geschichte wiederholt. Oder wir ändern etwas. Wir ändern unsere Leben und rücken zusammen. Alles immer weit hergeholt. Was ändert denn schon eine einzelne Meinung. Wen interessiert das überhaupt. Was trage ich denn dazu bei, dass es besser wird. Meckern kann ja jeder. Meckern ist leichter geworden. Bisschen Mülltrennung, Sparsamkeit, ab und zu mal ein bisschen was spenden und vielleicht zur Wahl gehen. Reicht doch.

Mir fällt es schwer zu sagen, dass 2016 ein gutes Jahr war. Ich habe meinen Kram so gut es geht gemacht. Aber das, was um uns passiert ist, ist einfach nur erschreckend. Ich stelle mir oft die Frage, ob es besser ist in Deutschland zu leben oder woanders. Ich glaube hier. Weil es das kleinere Übel ist. Wir töten uns (noch) nicht mit Waffen. Wir töten unsere Gesellschaft von innen heraus. Wir hassen. Wir lästern. Wir schimpfen. Wir verfeinden und verfremden uns. Wir haben Angst vor der Islamisierung unseres Landes. Ich habe selten soviel Scheiße in einem Satz gelesen. Stellen wir uns vor, da oben im Himmel würde einer die nächste Schicht übergeben. Hier Meister, übernimm mal, aber ich warne dich, einige da unten sind hinterhältige kleine Mistviecher. Die haben es faustdick hinter den Ohren. Du musst höllisch aufpassen. Wie peinlich.

2016. Du hast gute Seiten gehabt. Es sind neue Menschen geboren, die eine Chance haben werden. Es gab immer mal kleine Hoffnungsschimmer, das Nächstenliebe und Menschlichkeit existiert. Überall auf der Welt gibt es Enklaven der guten Seite der Macht. Aber im Großen und Ganzen haben wir dich zu dem gemacht, was du jetzt bist. Ein dunkles Kapitel in der Menschheitsgeschichte.

Zum Glück lebe ich in einem Umfeld, dem du nichts anhaben kannst. Zum Glück haben wir uns unsere Menschlichkeit bewahren können und mussten auch nicht in Versuchung kommen. Wir sind auch nicht fehlerlos und haben wohlmerklich auch einen Anteil an dem großen Ganzen. Verantwortlich sind wir sicherlich auch nicht für russische Bomben in Aleppo. Aber wir müssen es wieder mehr in Hand nehmen. Mehr Verantwortung und Sensibilität.

Auch will ich nicht undankbar erscheinen. Denn mein Umfeld ermöglicht mir ein gutes Leben. Nur dieses Jahr überwiegt die Wut und mein Entsetzen über die Dinge, die jede Sekunde auf unserer blauen Kugel passieren.

2016.

Ich habe dir nichts mehr zu sagen.”

der Hutmann

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