Mal sehen was es wird.

10 Feb 2015 / By  / IN Orte / gallery

Berlin. 21.01.2015. Ich sitze an meinem Gate, auf der Treppe und warte auf das Boarding im Flughafen Tegel. Das erste Mal Asien. Vor mir steht mein Rucksack. Den muss ich gleich abgeben. 13 Kilogramm wiegt er und ich frage mich, ob er mir irgendwann auf den Sack geht oder, ob ich irgendwelche Geschichten mit ihm verbinden werde. Bestimmt beides. Dann habe ich noch ein bisschen Handgepäck bei mir. Meine Kamera packe ich sicherheitshalber mal aus dem Rucksack. Bei der Wahl der Reiselektüre entschied ich mich diesmal etwas bewusster. “Slow Travel” – von Dan Kieran. Vielleicht kann ich von seiner Reisephilosophie etwas auf meinen Thailandtrip übertragen. Ich habe diesmal mehr Erwartungen an mich, als an das Land, dass ich erkunden will. Aus ein paar Gesprächen beim Bierchen mit Freunden, die schon Asienerfahrungen gemacht haben, schwingt so eine unterschwellige “Sei-gelassen-Stimmung” auf mich ein. Lass dich ein bisschen treiben und verlasse dich auf deinen Bauch. Dan Kieran sagt mir zum Beispiel auch: “Heiße Katastrophen willkommen.” Dann ist man nämlich gezwungen aus seiner Komfortzone rauszutreten und stellt sich Herausforderungen. Mir soll im Laufe der Reise immer bewusster werden, was damit gemeint ist. Aber dazu später mehr. Erstmal fliegen wir mit AirBerlin im Verbund mit Etihad Airways nach Abu Dhabi und von dort weiter nach Bangkok. Zweimal 6,5h. Das ist eigentlich gar nicht so verkehrt. Ich entscheide mich für Lesen und “Es war einmal in Amerika”. Der Film geht 4h und passt perfekt in mein Flugprogramm. In Abu Dhabi haben wir einen kurzen Aufenthalt. Also geht es von der Sache gleich weiter. Cool. Denn “Bangkok is calling.” Aber irgendwie haut das hier nicht so hin mit der Abfertigung der Fluggäste. Das Gepäck weiterzuleiten war kein Problem. Nur haben Sie das mit dem Security-Check hier nicht so drauf. Die Dame am Monitor kontrolliert mehr die Neuigkeiten auf Facebook als unsere Koffer. Was soll schon bei den Klischee-Deutschen, mit ihren Jungen Thais im Arm, im Koffer sein. Ich muss das erste Mal in mich reinlachen. Das ist so dieses “Meine-Fresse-das-gibt-es-ja-wirklich-Gefühl”.

Den Bangkokflug schlafe ich eigentlich fast ausschließlich. Zwischendurch mal ein Bierchen und was zu essen. Bis wir in der Airbnb-Unterkunft ankommen, dauert es ja dann doch noch eine ganze Weile. Also ist Schlafen eine gute Idee. Der Jetlag soll mir ja nicht mein Bangkok versauen. Ich stelle gleich die Uhr auf Thailandzeit um und trickse dadurch meinen Rhythmus ein wenig aus. Das klappt eigentlich immer ganz gut. Aber da ist wahrscheinlich jeder anders und am Ende erledigt dann die Aufregung ihr übriges. Landung in Bangkok. Passkontrolle. Stempel drauf. Raus aus dem Flughafen und dann merkst du das erste Mal: Warm und schwüles Klima. Willkommen in Thailand. Klugerweise liegt die erste und bisher einzige gebuchte Unterkunft für die nächsten 2,5 Wochen günstig an der BTS und Airport Link Bahn. Obwohl der Flughafen Suvarnabhumi riesig ist, findet man die Bahn ziemlich schnell. Auch die erste lächelnden Thais sind gleich sehr zuvorkommend. Da fühlt man sich tatsächlich irgendwie willkommen. Die Bahn, die gefühlt auf 0 Grad runtergekühlt ist, bringt uns nach Siam. Ein ziemlich reisegünstig gelegener Stadtteil. Wannida ist die Vermieterin. Sie sieht zwar aus wie 12 und ist sehr schüchtern. Aber sie ist unglaublich lieb und man hat das Gefühl, sie freut sich, dass sie Gäste hat. Erstmal den Rucksack absetzen und aus den Winterklamotten raus. Kurze Hose und Schlappen. Mehr brauchst du im thailändischen Winter bei 27 Grad abends um 21.30 Uhr nicht. Erstmal was essen. Auf der Straße gibt es ein paar Imbissstände und nach einem kurzen Zögern steht irgendwas mit Hühnchen und Nudeln auf dem Tisch. Direkt an der Straße. Laut. Reichhaltige Abgasluft. Lebhaft und authentisch. Da hab ich doch glatt für umgerechnet 80 Cent Abendbrot gegessen. Zufrieden kaufe ich mir noch im 7-eleven-Kosum ein Singha-Bier und sitze mit Musik auf dem Balkon. Ich schaue von der 31. Etage auf Bangkok. Aufgewühlt und geflasht von der Anreise und den ersten paar Stunden in dieser Megastadt, schau ich kurz auf Googlemaps und vergewissere mich, wo ich tatsächlich gerade bin. Dann werde ich doch am Ende müde.

In ein paar Stunden weckt mich die Sonne (Sonnenaufgangsseite des Hochhauses) und es wird ernst mit Bangkok. Angeblich soll es einen erschlagen und man sollte es lieber zum Schluss einer Thailandreise machen. Ganz ehrlich. Ich glaube, dass ist egal.

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