London

02 Jun 2015 / By  / IN Allgemein, Menschen, Orte, Schwarz und Weiß / gallery

Ich bin auf dem Weg nach England. London. Eine Woche verbringe ich in der Stadt. Ich war gefühlt vor 20 Jahren mal hier. Die paar Erinnerungen an diesen Ort sind daher eher dürftig. Gute Vorraussetzungen. Zunächst geht es mit der Fähre von Calais nach Dover. In Calais habe ich im kältesten Hotel der Welt geschlafen. Nicht, dass es eine Touristenattraktion wäre. Das Eis auf der Haut taut wieder. Ja, ich übertreibe ein wenig. Es war kalt. Punkt. Manchmal bin ich eben eine Diva.

Nachdem ich 3 mal meinen Pass zeigen musste und der Grenzkontrolle mehrfach versichert habe, dass ich keine Menschen in meinem Fahrzeug verstecke, durfte ich auf die Fähre nach England. Ich ahne es irgendwie schon wieder. Holzklasse. Aber diesmal etwas anders. Vor mir sind in etwa 4 Reisebusse mit Kindern auf das Schiffchen gefahren. Das macht insgesamt wahrscheinlich 200 12 Jährige. Da ich ziemlich hungrig bin, verdränge ich so ein bis zwei Befürchtungen bzgl. des Komforts. Ich suche Deck 7. Hier gibt es was zu Essen. Allerdings stehen hier diese herrlich ruhigen 200 Kinder an der Essenausgabe. Alle haben Schnitzel mit Pommes bestellt. Alternative: Chicken Tikka Curry. 1,5 Stunden Überfahrt vor mir. In der Schlange stehen 2 Stunden Wartezeit. Ich könnte auch ins Road Kings gehen. Die Schiffskneipe für LKW-Fahrer. Beim Reinschauen kommt mir ein leicht käsiger Geruch entgegen. Egal was es ist, ich gehe zurück zu den 12.000 Kindern. Hutmann, du wirst sehr hungrig auf die Insel fahren. Irgendwann komme ich dann doch dran. Einmal Chicken Tikka Curry, bitte. So richtig schön zusammen geklatschte Matschepampe. Schnitzel war nämlich aus. Mir egal. Ich habe einen Riesenhunger. Schnell noch zur Kasse und dann schaffe ich vielleicht noch die Ankunft in Dover auf dem Sonnendeck anzuschauen. Halt. Erstmal Kasse. Vor mir eine deutsche Familie. Gleiche Wetterjacke und gleichen Rucksack. Das Kind spielt mit dem Ipad. „Hast du die Karte dabei?“ Er ganz trocken: „Nö!“ „Ich habe dir doch vorhin unsere Reisekreditkarte gegeben. Die, die du immer nehmen sollst.“ Darauf der liebende Ehemann: „Ja aber kann ich die paar Euro nicht mit meiner Karte bezahlen? Das geht doch schneller jetzt.“ Sie entnervt: „Jochen! Ich will nicht schon wieder diskutieren müssen. Du holst jetzt die Kreditkarte. Ich habe gesagt, ich verwalte das Geld in diesem Urlaub. Das war so abgemacht. Ich will immer den Überblick haben!“ Sein „ja, aber“ höre ich schon nicht mehr richtig, da der Kassierer beschließt, mich zwischendrin abzukassieren. Problem dabei: er hat gerade meinen Bon auf Jochen und Drachen übertragen. Jetzt bekomme ich mein Restgeld nicht. Mittlerweile ist mein Essen kalt…Da stehe ich nun würdelos hinter der Kasse und schiebe das Chicken Curry rein. Nach ein paar Minuten laufen Jochen und Drachen glücklich an mir vorbei. Er hat wohl die Karte noch gefunden. Sein Glück ist meine Holzklasse.

Ich habe noch 10 Minuten um ein paar Aufnahmen von der Hafeneinfahrt zu machen. Schon beeindruckend diese Küste. Wild und elegant. Da fällt mir doch mein Lieblings-England-Wort wieder ein „rough“. Jetzt noch knapp 1,5h bis London. Nachdem ich mich dann unbeschadet durch den Linksverkehr geschlängelt habe, bin ich angekommen. Ein sehr netter Security Guard zeigt mir noch, wie ich zu meinem Hotel komme.

Heute wird es besser. Denn ich habe ja mein super-mega-monster-vintage-Fahrrad dabei und so freue ich mich auf die ersten Yards in London. Am Ende dauert die Tour ein wenig länger und ich fahre vom Osten der Stadt bis nach Shoreditch. Hipster Zeug. Aber sehr cool. Das google-Navi führt mich durch den Viktoria Park an einem Kanal entlang. Und wenn einem dann die ersten Typen mit Vollbart entgegen kommen und an jeder Ecke coole Läden offen haben, fühlt man sich doch gleich fast heimisch. Das hat mit Holzklasse nichts zu tun. Jetzt entspann ich mich hier erstmal. Bloß keinen Stress, dafür ist Stadt zu hektisch. Und die 200 Kinder werde ich wohl hier auch nicht nochmal treffen.

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