Komfortzone

07 Aug 2015 / By  / IN Menschen, Orte, Über mich / gallery

In letzter Zeit stand ich ganz schön unter Strom. Diese eine Nuance zu sehr für meinen Geschmack. Irgendwas war immer los. Baumarkt. Gläserverleih. Auf der Suche nach Weinkisten. Hier eine Hochzeit. Schnell noch ein Shooting. Da noch was räumen. Keller ein. Keller aus. Ein Interview. Noch Eins. Dann wieder Baumarkt. Und wieder.  Klar, als wir unseren Laden aufgemacht haben…geiles Gefühl und du bist Stolz wie Bolle. Dabei merke ich gar nicht so richtig, wie ich meine andere große Liebe so ein bisschen vernachlässige. Ein kleiner Blick auf den Blog und ich stelle fest: ich habe lange nichts mehr von unterwegs gemeldet. Ich bin lange nicht gereist. Also so richtig. Mit diesem Kribbeln im Bauch, mal wieder etwas Neues zu probieren. Abenteurer sein.

Viele Stunden Zug liegen schon hinter uns. Das macht nachdenklich. Wenn man ein Zugticket kauft, bekommt man nämlich oben drauf eine Portion Abenteuer und Zeit. Ja diese verdammte Zeit. Wieviel mehr davon hätte ich gern in den letzten Wochen gehabt um Alles zu schaffen. Moment mal…Wollte ich nicht vor einiger Zeit genau diesem „getrieben-sein“ entfliehen. Hab ich mich nicht sauwohl in meiner Entspanntheit gefühlt?

Spätestens wenn die Ersten sagen: „Na Robert, viel gefeiert die letzten Tage, oder?“ Und Allerspätestens wenn du dir anhören musst: „Robert, du siehst scheiße aus!!!“ Eigentlich ja unmöglich, aber beim täglichen Spiegelblick, wird es mir auch ziemlich deutlich. Tiefe Augen. Natobräune und gestresst. Da werden dann gleich diese typischen Floskeln für Selbständige ausgepackt. Will ich nicht. Ich will wieder Reisen. Unterwegs sein. Belanglose Fotos machen und die Akkus laden. Auf gehts nach Florenz. Diesmal setze mich bewusst schwierigen Bedingungen aus. Regionalbahnen die zufällig nach Pisse riechen. Fahrrad aus den 70er. Zu wenig Klamotten für 14 Tage. Nichts gebucht. Und Nachtzug wollte ich eh schon immer mal fahren. Das Abteil ist eng. Im Flur ist es laut. Irgendwas knarkst und klappert die ganze Zeit. Und meine Fresse was kann man denn Alles in so einem kleinen Abteil gegen die Wand scheppern lassen. Das würde ich gern mal Denjenigen fragen, der gefühlt einen halben Zentimeter hinter der hübschen Holztrennwand im Nachbarabteil liegt. Oder räumt. Wenn der Nachbar ruhig ist, dann wird irgendwo zwischen München und Florenz der Zug geteilt. Egal. Macht Laune. Denn so ein Nachtzug entfaltet schon so ein bisschen die Mystik aus unzähligen Romanen.

Achja und dann habe ich noch eine paar Worte aus diversen Gesprächen im Kopf. Was? Toskana? IM SOMMER? Seid ihr verrückt. Viel zu heiß. Viel zu bergig. Teuer. Die Liste mit Gründen, es nicht zu machen wird immer länger. Das stachelt mich ja gerade an. Selbst wenn ich scheitere. Seit 6:08 Uhr sind wir in Florenz. Nun sitze ich bestimmt schon auf dem Rad und fahre schwitzend einen Berg hoch. Komfortzone: Wir sehen uns in 2 Wochen wieder. Zeit wird es.

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