Juan, der Held

10 Nov 2018 / By  / IN Menschen, Über mich / gallery

Es ist so eine von diesen Geschichten, die dich irgendwie sofort berühren, wenn du es liest. Ich bin ja heimlicher Tennisfan und bewundere diese Menschen so sehr, dass ich sogar bei einigen Turnieren mir auch mal den Wecker stelle. Kaum eine Sportart fasziniert mich stundenlang und lässt mich die Zeit so sehr vergessen. Ja stimmt, Fussball. Zurück zum Tennis. Ungefähr seit 10 Jahren verfolge ich diesen Sport. Mal mehr. Mal weniger. Ich spiele zwar kein Tennis aber habe mittlerweile ein ganz gutes Verständnis dafür. Typischer TV-Fan. Leider habe ich auch noch kein großes Turnier live gesehen. Das werde ich aber 2019 ändern. Warum erzähle ich das? Es gibt nämlich einen Tennisspieler, der mich inspiriert. Auf eine für ihn leider sehr traurige Art und Weise. Juan Manuel Del Potro. Ein Argentinier in meinem Alter. In Argentinien ein Volksheld. Der hat die wohl krasseste Vorhand im Tenniszirkus. Aber das ist nicht der Punkt. Dieser Mann schreibt eine der unglaublichsten Geschichten im Sport. Jedesmal, wenn er sich in die Elite zurück gekämpft hat, verletzt er sich. Nicht irgendwie. Sondern meistens immer so, dass man sagt: „Das wars wohl mit der Karriere!“ Da ist von schweren Handgelenks-OPs und Depressionen alles dabei gewesen. Dann siehst du diesen Hühnen. Sensibel. Fair und mit einem Kämpferherz ausgestattet, dass man so viele Hüte zum Ziehen gar nicht auf seinem Kopf tragen kann. Er gibt Comebacks. Gewinnt Turniere und, wenn du denkst, dass hat der jetzt gepackt: Passiert die nächste Scheiße. Ich bewundere ihn für dieses Durchhaltevermögen und den Kampf zurück. Zurück zu dem, was er so sehr liebt. Was muss in seinem Kopf alles vor sich gehen. Zweifel. Mutlosigkeit und Unverständnis. Aber es ist sein Wille. Sein unbändiger Wille. Du besiegst ihn nicht. Du kannst das Spiel entscheiden und gewinnen. Delpo aber…den besiegt niemand mehr. Nicht mal sein Körper. Er ist für mich ein tolles Beispiel, wie man sich einfach nicht beirren lässt und sein Ding durchzieht. Dafür kämpft und sich nichts schenken lässt. Sicherlich hätte er auf die ein oder andere Verletzung verzichtet aber dieser Gedanke bringt ihm nichts. Jede Prüfung hat ihre Bedeutung. Nicht nur in seinem Leben. Jeder Kampf und jedes harte auf ein Ziel hinarbeiten, zermürbt, raubt Kraft und kostet uns ein bis zwei Lebensmonate. Ich denke aber diese Qual und die Hölle durch die er immer gehen muss, lässt ihn einen Erfolg oder einen erreichten Meilenstein unendlich sehr genießen. Er hat dieses Jahr bei den US-Open das Finale verloren. Er hat zwischendurch Spiele gemacht auf denen er stehend k.o. war. Sein Gegner kam über das Netz gelaufen – eine große Respektsbekundung – und hat den am Boden liegenden Delpo aufgerichtet. Nach knapp 5h Tennis. Eins der schönsten Bilder überhaupt.  Und mit ihm geweint. Ich übrigens am Bildschirm auch. Diese Genugtuung und der stolz auf einen selbst, ich denke, dass ist seine Botschaft an uns. Finale verloren aber seinen Kampf gewonnen. Es lohnt sich immer zu kämpfen. Egal, um was es geht.

Lieber Delpo. Du hast dir im Oktober die Kniescheibe gebrochen. Tu mir einen Gefallen und komm wieder zurück. Die Menschen brauchen aufrechte und sensible Vorbilder wie dich. Du bist ein Held und nicht, weil du ein unfassbar spektakulärer Hartplatzspieler bist. Man gönnt dir einfach jeden Punkt und jede Minute auf dem Tennisplatz. Selbst wenn man Fan des Gegners ist. Vielen Dank für die Inspiration und den Arschtritt!

Werde gesund und vielleicht darf ich dir mal die Hand schütteln.

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