I just do it

29 Mai 2019 / By  / IN Menschen, Schwarz und Weiß / gallery

Dieser kleine Satz hallt nach der Dokumentation des französischen Regisseurs Jean-Michel Vecchiet „PETER LINDBERGH – WOMEN’S STORIES“ noch immer in meinen Ohren nach. In gelbstichigen Farbtönen oder brüchigen schwarz-weiß Aufnahmen bewegt sich ein junger Mann mit der Kamera in der Hand vor dem Bildschirm. Er lacht. Er redet Englisch. Französisch. Er plantscht im Pool mit Topmodels. Er steht niemals untätig da. Die runde Brille tanzt auf seiner Nase. Er bringt die schönsten Frauen der Welt zum Strahlen. Er zeigt sie spontan, unverblümt, roh und trotzdem immer von ihrer schönsten Seite. Vielleicht aber auch so wie sie sich selbst noch nie gesehen haben. Man sagt ihm nach, dass er in den 90er Jahren echte Ikonen erschaffen hat als er Linda, Cindy, Tatjana, Christy und Naomi zusammen vor seine Kamera stellte. Um bloße Schönheit ging es ihm dabei jedoch nie. Vielmehr vielleicht um die Zufälligkeit, die hervorgerufenen Emotionen oder um einen Blickwinkel, der niemals kopiert werden kann. Egal, wie oft wir das auch versuchen. Dieser Stil bleibt unerreicht. Ein verdammter Künstler!

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Peter Lindbergh, oder eigentlich Peter Brodbeck, zählt zu den größten Fotografen des 20. Jahrhunderts – und trotz aller Mythen und spektakulären Shootings für die „Vogue“, „Vanity Fair“ und „The New Yorker“ weiß ich gefühlt nichts über ihn. Weder über seine Kindheit in Duisburg, seine Faszination gegenüber dem französischen Maler van Gogh, seine Vorliebe für Katastrophenfilm-Szenarien, die Anfänge in der bildenden Kunst oder seinen familiären Hintergrund. Die Dokumentation über sein Leben auf dem Weg zum originellsten und fantastischsten Modefotografen, erzählt aus der Sicht wichtiger Wegbegleiterinnen von Liebenden und Geliebten, räumt ein wenig mit dem Unbekannten auf. Weltberühmte Models, seine Schwester, zwei Ehefrauen, Kolleginnen und die Chefredakteurin der italienischen Vouge nähern sich dem Fotografen auf ihre ganz persönliche Weise. Er selbst kommt dabei nicht zu Wort. Für ihn sprechen andere. Die wichtigsten Frauen seines Lebens zeichnen sein Portrait. Der collagenartige Stil und die Hintergrund-Musik, die an Stummfilme erinnert, wirkt auf den ersten Blick kompliziert und verwirrend. Aber dranbleiben lohnt sich, um noch tiefer in das Werk von Peter Lindbergh einzutauchen. Doch die Frage: Wie macht er das nur eigentlich alles? – bleibt am Ende doch offen. “I just do it”, sagt er mitten im Film. Vielleicht ist das der Schlüssel.

Ab 30. Mai in den Leipziger Passage Kinos.

Genre
Dokumentarfilm
Land/Jahr
Deutschland 2019
Regie
Jean-Michel Vecchiet
Länge
113 Min.

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