Hala Madrid

17 Okt 2017 / By  / IN Allgemein / gallery

Ich brauchte ein bisschen Zeit. Zeit, um über die Dinge, die passieren nachzudenken. Zeit, um zu wissen, was für mich Relevanz und Bedeutsamkeit hat. Nach dieser Wahl in der Bundesrepublik erschien es mir irgendwie nicht richtig über das Reisen, Unterwegs sein oder sonst was zu schreiben. Irgendwie stoppte ich bei jedem Schritt ab und fand keinen Ansatz…

Ich frage den Rikschafahrer am Plaza Mayor, wo ich mal aufs Dach steigen kann, um Madrid von oben zu sehen. Er empfiehlt mir das Dach vom „El Cortes Ingles“. Ein Einkaufszentrum. Ich fahre nach ganz oben. Hole mir ein Bier und schau mal, was die Terrasse so hergibt. Naja. Man kann von 2 Seiten auf die Stadt schauen und ein bisschen erahnen, wie es wäre, wenn man die ganze Stadt sehen könnte. Egal. Der Tipp war trotzdem gut. Also mach ich, was ich gern mache und, was sich der ein oder andere gern anschaut. Ich mache Fotos. Von Ansichten, Menschen, Gebäuden, Lichtstimmungen und am besten alles zusammen. Denn irgendwie steht in der Sache ja fest, dass wir weiter machen müssen. Die Frage des „Wie“ ist dabei wohl das Problem. Aber es muss sein. Sonst überwiegen die Negationen aus den letzten Monaten und Jahren. Ich habe letztens eine Folge von „Fest & Flauschig“ gehört. Oli und Böhmi haben dabei etwas für mich sehr Wichtiges gesagt. Sie philosophierten wie so oft über alles mögliche. Es ging um Theater. Aber das ist gar nicht der Kern. Oli hat gesagt, dass es am Ende die Kunst ist, die sich über Grenzen, Engstirnigkeiten und Probleme hinwegsetzen kann. Die Kunst kann unbequeme Wahrheiten ausschlachten und den Menschen den Spiegel vorhalten. Mir geht das oft noch nicht weit genug. Provokation und Schonungslosigkeit sollten viel mehr zu den Kunstformen der heutigen Zeit gehören. Nehmen wir die ganze weichgespülte Pop-Musik-Kultur. Wo sind hier die Querdenker, Revolutionäre und Freigeister? Leider nicht vorhanden, weil dem Publikum einfach nichts mehr zugetraut wird. Wir sehnen uns doch nach Vorbildern und Idolen, um deren Botschaften und Weltanschauungen aufzunehmen.

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Nehmen wir zum Beispiel Spanien. Ich war dieses Jahr insgesamt fünfmal dort. Barcelona. Ibzia. San Sebastian. Madrid. Manche Städte sogar mehrfach. Mal unabhängig von der Schönheit des Landes, des Wetters und der Verrücktheit nach Fußball ist Spanien sehr bewegend. Ich werde jedes Mal gefragt, wenn ich über Madrid rede, ob ich etwas von den politischen Spannungen mitbekomme. Die Frage zielt meistens auf Gewalt und Ausschreitungen ab. Gut, dafür sind wir, glaube ich, in Madrid an der falschen Adresse. Aber man bekommt es mit. Demos. Kundgebungen und eine eh schon sehr hohe Polizeipräsenz. Es ist aber ein großes Thema. Denn die Spanier haben einen sehr tief verwurzeten Nationalstolz. Sowohl die Katalanen als auch die Spanier. Und wenn ihnen das jemand nehmen will und sie sich ungerecht behandelt fühlen, dann entläd sich dieses leidenschaftlich! Da sollte die Regierung sehr sensibel mit umgehen. Besonnenheit und Diplomatie stecken nicht zwingend im spanischen Charakter. Gerade, was diesen eigentlich auch sehr alten Konflikt betrifft. Die Impulsivität und der tief verwurzelte Disput zwischen den Regionen kann sich schnell in einen blutigen Konflikt entwickeln. Wenn es nicht sogar schon zu spät dafür ist. Am Ende geht es wie immer bei solchen Dingen, um eine einfache Sache: Bevormundung und Übergehung von Meinungen. Die Formen der Äußerungen und die Gewalt auf beiden Seiten sind wie immer fragwürdig. Auch Motive und Ziele sollten differenziert betrachtet werden. Aber anstatt stur und unnachgiebig am Verhandlungstisch zu sitzen, sollte man doch sich eher Gedanken machen, wie eine große Katastrophe verhindert werden kann und muss. Vielleicht mal zur Abwechslung ohne jemanden zu übergehen oder schlimmer noch zu ignorieren. Das ist meine Haltung zu diesem Konflikt und ich könnte auch einfach nichts dazu sagen und es ignorieren. So tun als ob es das Alles nicht gibt und mich in eine Bar setzen und Bier trinken. Hmm…

Ich denke aber trotzdem darüber nach. Auch wenn ich nur eine von vielen Meinungen habe und keine besonders wichtige Person bin, kann ich auch nicht einfach nichts machen und still halten. Ich weiß ja, dass Menschen meine Texte lesen, sich meine Bilder anschauen und das gern tun. Sich mitnehmen lassen und in meine Welt eintauchen. Daher haben wir alle die Pflicht weiter zu machen. Die Welt zu zeigen, wie wir sie sehen.  Diesen Ansatz behalte ich im Auge. Er hilft mir das alles immer auf dem Schirm zu haben aber dennoch meine Sachen zu machen. Sie zu veröffentlichen und Menschen daran teilhaben zu lassen. Ich gehe also wieder meinen Träumereien nach. Mache meine Bilder. Beobachte Menschen auf meinen Reisen. Mache Spaziergänge und bringe all das mit nach Hause.

Mit diesen Gedanken im Kopf laufe ich durch die zweifelos wunderschöne Hauptstadt. Ich werde das weiter verfolgen. Und mit Sicherheit auch hierher zurückkehren.

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