Den Dingen viel Raum geben.

14 Apr 2015 / By  / IN Allgemein, Menschen / gallery

Mit Musikern ist das ja immer so eine Sache. Entweder haben Sie keine Zeit oder man trifft sich irgendwo durch Zufall und beschließt beim Bierchen: „Los, lass mal was zusammen auf die Beine stellen!“ Aber manchmal kommt es dann doch dazu, dass man Zeit findet und sich mal aus anderen Bereichen inspirieren lassen kann. So in etwa ist die Verbindung zu Gregorio entstanden. Manche kennen ihn über „Popstars“ – die Sündenzeit unserer jüngeren Musikvergangenheit und wiederum manche, zu denen ich gehöre, von der Band “Jamtonic” oder dem Acapella Projekt “Slixs”. Durch und durch Vollblutmusiker und Lebensgenießer. Eine spannende Hongkong-Reise im Gepäck und Teilzeitmodel bei mir :) Da liegt es doch nahe, dass ich zu der Bildstrecke auch mal ein paar Sätze mit ihm wechsele.

Gojo oder Gregorio?
Als Künstler ganz klar Gojo. Dazu soll es ja schließlich noch ein Soloprojekt geben. Und Gojo kommt daher, dass Kinder, die noch nicht richtig sprachentwickelt sind, meinen Namen nicht sprechen können. Kinder können meinen Namen falsch aussprechen. Das ist die Geschichte dazu.

Ok, Gojo, dann lass uns mal über deine letzte Reise sprechen. Ich habe gelesen, dass du mit deinem Acapella-Projekt “Slixs” in Hongkong warst…
Wir waren schon zweimal mit “Slixs” in Hongkong auf diversen Jazzfestivals. Jeweils als Gastauftritt. Und jetzt hatte es sich kurzfristig ergeben, dass uns im Januar das Acapella Festival eingeladen hat. Das ist ein Riesenfestival über 3 Wochen mit 2 großen Abschlusskonzerten im Queen Elisabeth Stadium. Wo dann schreiende Mädchen mit Bussen hingefahren und mit Bussen wieder zurückgefahren werden.

Äh warte mal. Schreiende Mädchen? Weil die euch dort als Stars sehen?
Naja das ist komisch. Erstmal ist das Publikum sehr jung und daher sowieso eher schreianfällig. Wir waren ja schon öfter in Asien. Malaysia, Korea, China, Brunei, Taiwan usw. und in Hongkong ist das eben ein bisschen anders. Hier sind die Menschen mehr westlich eingestellt und konsumieren viel schneller. Da muss man viel mehr für Nachschub sorgen. So schnell wie es da ist, ist es auch gleich wieder weg. Dadurch ist es sehr kurzweilig aber dafür ekstatisch. Nach Hongkong hatten wir gleich einen Auftritt in Hamburg. Das war im Vergleich wie ein Wohnzimmerkonzert. Da merkt man, dass die Leute länger etwas davon haben wollen.

Also werdet ihr dort wie Stars behandelt! Seid ihr dort aber auch wirklich Stars?
Es kommt immer darauf wie man sich selbst sieht. Man wird schon so behandelt. Securitys. Absperrbänder. Dann sind Alle auch informiert, weil die Werbemaschinerie gut läuft. Und wenn du dann einem die Hand gibst, fängt derjenige an zu schreien. Und dann wollen Alle. Das sind dann schon Massen die bewältigt werden müssen. So gesehen wird man schon als „Star“ abgegrenzt.

Aber?
Dann muss man eben auch sehen, dass Asien sehr groß ist. So ein Aufritt ist dann mal ein kurzes Feuer und das war es dann auch schon wieder. Witzigerweise sind die Downloadverkäufe in Japan am Besten. Obwohl wir da noch nicht waren. Das liegt aber auch daran, dass es in Asien einige Organisationen gibt, die diese Musik populär machen wollen. Es soll mainstreamiger werden. Davon profitieren wir natürlich.

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Nun ist ja Asien ein insgesamt ziemlich verrückter Kontinent. Das durfte ich ja bereits auch feststellen. Gibt es aber etwas, was du aus dieser manchmal verrückten Mentalität für dich als Künstler mitnehmen kannst?
Enthusiasmus und schnelle Begeisterungsfähigkeit.

Kannst du erklären woran das liegen könnte?
Naja wir sind eher die Zweifler. Bei uns kommt die Überzeugung immer erst aus dem Gefühl heraus.

Oder wenn etwas dabei herauskommt.
Die Asiaten lassen sich eher vom Moment anstecken. Und für mich ist das heute schon so. Als Künstler muss ich ja vom Moment leben.

Sehr schöner Satz! Lass uns mal über mein Lieblingsthema reden. Reisen. Wie bereitest du dich auf deine Reisen vor?
Ich rufe vorher immer meine Mutter an. Und über whatsapp werden die Freunde informiert. Sonst bin ich mittlerweile ziemlich entspannt was das Vielreisen betrifft.

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Was hast du immer im Koffer?
Bühnenkopfhörer. Handyladekabel. Geladene Hörbuchmediathek. Auftrittsklamotte.

Aber es liegt doch nahe, dass du Unmengen Musik im Gepäck hast?
Dadurch, dass die Musik so schnelllebig ist und vieles sich einfach gleich anhört, höre ich relativ wenig Musik. Es gibt zwar immer mal Nächte, wo ich mich durch Spotify klicke und Neues entdecke aber im mittlerweile höre ich privat Wassergeplätscher oder Radiosender, bei denen viel gesprochen wird. DLF zum Beispiel.

Ist das dann deine Art dich zu inspirieren?
Am Anfang habe ich viel aus der Quelle gezogen, die ich reproduzieren muss. Das erlahmt mich aber mit der Zeit. Du wirst dann zu schnell zu analytisch. Ich bin dann irgendwann dazu übergegangen, mir die Quellen aus anderen Bereichen zu ziehen. Zum Beispiel Gedichtbände oder verschrobenste Filme aus allen möglichen Genres. Einfach um mal Bilder und Emotionen anders transportiert zu bekommen.

Und beim Songwriting?
Da brauche ich Zeit und daran scheitert es meistens. Oft entsteht in einer ganzen Nacht nur ein Grundkonzept. Für mich spielt da Zeit keine Rolle, für die Anderen ist allerdings viel Zeit vergangen. Und so kommt das eigentliche „Kreativ-sein“ etwas zu kurz.

Wem sagst du das. Eine Frage muss ich dir am Ende aber doch noch stellen. Thema Popstars.
Eigentlich wollte ich da nie hin. Damals wollte ich unbedingt nach Disneyland und einmal im Flugzeug sitzen. Ich habe mich dann anschließend ganz lang dafür geschämt. Denn ich habe zwischendrin begriffen, worum es eigentlich geht. Vorrangig nicht um die Musik. Ab dem Zeitpunkt dieser Erkenntnis war ich dann auch nicht mehr interessant für die Medien. Da fehlte mir die Motivation zu gewinnen.

6Y3A9307Und aus heutiger Sicht?
Ich schäme mich nicht mehr dafür. Für mich hatte sich ja eigentlich nicht viel geändert. Vorher habe ich Musik gemacht und hinterher auch. Ich habe letztendlich viel daraus gelernt.

Was denn?
Gib Dingen viel Raum und Zeit. Dann können Sie richtig entstehen.

Klingt gut.

Mehr zu Gojo´s Projekten gibt es unter:
www.slixs.info
http://www.gojo.me/

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