Aus Hutmann wird Messemann

18 Mrz 2015 / By  / IN Menschen, Orte, Schwarz und Weiß / gallery

Es ist früh um 6 Uhr und wir legen uns ins Bett. Ich überlege mir kurz, dass ich alles richtig gemacht und meine Akkus im Urlaub bis unters Dach aufgeladen habe. Die Überlegung dauert keine 1,5 Sekunden und ich bin eingeschlafen. Denn die Akkus sind leer. Aber der Reihe nach. Nachdem ich in Mönchengladbach die coolen Leute von Teamgeist begleiten durfte. Ging es nach Köln zur Messe. Eine Woche Aufbau. Eine Woche Messe. Abbau. Das wird ein Wahnsinnsprogramm.

Zunächst erstmal ein Randnotiz. Einen ungemütlicheren Bahnhof als den in Dormagen habe ich bisher noch nicht gesehen. Von hier aus ging es nämlich weiter nach Köln. Willkommen in NRW. So richtig warm werde ich immer noch nicht mit der Region. Ich sage mir aber: “Finde dich damit ab! Du bist jetzt 2 Wochen hier!” Nach einem sehr netten Abend bei meinem Freund Daniel und seiner Frau geht es am nächsten Morgen zur Messe. Nach ein paar Diskussionen welches Tor ich am Ende nehmen darf, gelange ich auf das Gelände. Auf zur Halle 4.1. Da ich selbstverständlich am falschen Tor abgesetzt wurde, muss ich über die halbe Messe laufen. Dann so ziemlich am Anfang des Weges passiert es dann. Die Mutter aller Kongresskoffer verliert ihre Rollen. Jetzt muss ich das Scheißding bis zur Halle ziehen. Prima. Zum Glück ist es schön messefrisch. Da schwitzt man nicht gleich so.

Am Stand angekommen kommt mir gleich die ganze Romantik einer sich im Aufbau befindenden Messe entgegen. Bin ich gewohnt. Ab zur Standfläche. Wow. Das ist ziemlich groß. Dann geht er los, der Messewahnsinn. Staplerfahrer, Müllmänner, Osteuropäische Messebauer, Spediteure und vereinzelt ein paar Asiaten die Selfies machen. Grinsende Leute mit dreckigem Hallenboden. Na von mir aus. Dann bauen wir eine Woche lang diesen Messestand auf. Einer unserer Jungs meinte am Anfang zu mir (mit Blick auf die leere Standfläche): ”Willkommen. Der Ort der Schmerzen.” Ich lächele. Als zusätzliche Motivation kommt die Karaokebar direkt unter meinem Hotelzimmer während der Aufbauwoche hinzu. Eine Woche lang Karaoke. Bis früh um drei. Da kannst du dich hinlegen wann du willst, grölende Kölner halten dich stets wach. Egal. Dann passiert etwas, was mich auf jeder Messe immer wieder neu beeindruckt. Die Tore gehen auf. Das Licht wird gedämmt. Und dann ist der Messezauber da. Eine Woche sieht es hier königlich aus. Von jetzt auf gleich. Vielleicht bemerke nur ich den Abgasgeruch des letzten Staplers, der vor zwei Minuten hier durch ist.

Eine Woche fotografiere ich für die unterschiedlichsten Leute die unterschiedlichsten Sachen. Menschen beim Essen. Bürgermeister. Gewinner. Hostessen (schaut mal hier Feli & Monique). Stände. Abendveranstaltungen. Menschen beim Reden. Menschen beim Händeschütteln. Menschen in Gruppen und Menschen die nichts machen. Danach Bilder bearbeiten. Abgeben. Manchmal reicht eins. Manchmal keins. 100 Leute haben wir gefragt: “Nennen Sie einen Ort mit wenig Licht und Sauerstoff?!” Topantwort: “Messehalle!” Die Messe neigt sich wie immer mit Riesenschritten dem Ende zu. Du merkst das daran, dass die Schmerzen in den Füßen in immer kürzeren Abständen kommen. Schließlich sitzen Alle versammelt in unserem Haus. Die letzte Rede ist geredet. Der letzte Film ist gezeigt. Umarmungen. Es ist 18.00 Uhr. Heim geht es. Es war eine coole Zeit. Ich werde vorher mein Haus hier wieder abbauen. Beiläufig sage ich so zu mir: ” Der Ort der Schmerzen!” Es ist früh um 6 Uhr. Ich lächele nicht mehr.

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